Paged LabTech
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Interview

Mehr als Prüfung: die Zukunft der Holzwerkstoffe gestalten

Innovation bei Holzwerkstoffen bedeutet längst nicht mehr nur bessere Eigenschaften. Heute heißt sie: Werkstoffwissenschaft, Nachhaltigkeit, Sicherheit, regulatorische Bereitschaft und Kundenerwartungen in einem einzigen Entwicklungsprozess zusammenzuführen. Genau dafür wurde Paged LabTech gegründet.

Dr. Ewelina Depczyńska, Präsidentin von Paged LabTech und F&E-Direktorin der PAGED Group, auf der Grafik „Paged LabTech – Beyond Testing”

Ein Interview mit Dr. Ewelina Depczyńska, Präsidentin von Paged LabTech und Direktorin für F&E der PAGED Group (auf Grundlage der Reihe Experts' Lounge von Jacek Obarski, Chefredakteur von Kurier Drzewny).

Wir sprachen mit Dr. Ewelina Depczyńska über die Rolle von F&E in der modernen Holzindustrie, die Zukunft nachhaltiger Werkstoffe und darüber, warum Labore als strategische Geschäftspartner und nicht als Prüfstellen gesehen werden sollten.

Paged LabTech ist seit dem Start stark gewachsen. Was war die wichtigste Veränderung?

Ewelina Depczyńska: Ohne Frage das Team. Gebäude, Ausstattung und Labore sind wichtig, aber Innovation entsteht durch Menschen. Über die Jahre haben wir ein multidisziplinäres Team aufgebaut – mit Biotechnologen, Chemikern, Holztechnologen, Werkstoffingenieuren und Bauspezialisten. Die wertvollsten Innovationen kommen selten aus einer einzigen Disziplin. Sie entstehen dort, wo unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und sich gegenseitig herausfordern.

Gleichzeitig sind wir unseren Wurzeln treu geblieben. Von Anfang an wollten wir, dass unser Hauptsitz das Vertrauen in Holz und Sperrholz als Werkstoffe der Zukunft zeigt. Wir arbeiten täglich mit Holz, deshalb war es nahe, einen Arbeitsort zu schaffen, der diese Überzeugung widerspiegelt.

Sie beschreiben das Labor oft als Geschäftspartner und nicht als Prüfdienstleister. Was meinen Sie damit?

Ewelina Depczyńska: Prüfung sollte niemals der letzte Schritt sein. Der größte Wert entsteht, wenn Labore von Beginn der Produktentwicklung an eingebunden sind. Forschung hilft Herstellern, ihre Rohstoffe zu verstehen, Risiken zu erkennen, Produktionsprozesse zu optimieren und Eigenschaften zu verifizieren, bevor ein Produkt auf den Markt kommt.

Letztlich bedeutet das mehr Sicherheit, dass Kunden genau das erhalten, was sie erwarten. Qualität entsteht nicht am Ende der Produktion. Sie muss von Anfang an eingeplant werden.

Die Branche steht vor wachsenden regulatorischen Anforderungen – von Umweltproduktdeklarationen bis zum digitalen Produktpass. Wie sehen Sie diesen Wandel?

Ewelina Depczyńska: Transparenz wird zum Wettbewerbsvorteil. Der digitale Produktpass wird Hersteller verpflichten, deutlich mehr Informationen über ihre Produkte, Materialien und Umweltleistung bereitzustellen. Unternehmen, die schon heute Daten erheben und ihre Produkte im Detail kennen, werden deutlich besser positioniert sein.

Ich bin allerdings überzeugt, dass Regulierung letztlich echten Nutzen bringen sollte. Compliance darf nicht nur als Kostenfaktor gesehen werden. Bessere Produktinformationen führen zu sichereren Produkten, größerem Verbrauchervertrauen und besseren Entscheidungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Nachhaltigkeit ist eines der zentralen Themen moderner Werkstoffe. Auf welche Erfolge sind Sie am stolzesten?

Ewelina Depczyńska: Paged FreePly und Paged GreenPly gehören zu den Projekten, auf die ich am stolzesten bin. Diese formaldehydfreien Sperrholzlösungen beantworten eine der langjährigen Umwelt- und Gesundheitsherausforderungen der Branche. Sie entstanden aus Jahren der Forschung, unter anderem in Zusammenarbeit mit der Politechnika Gdańska.

Oft wird unterschätzt, wie viel wissenschaftliche Arbeit nötig ist, um einen wirklich innovativen Werkstoff auf den Markt zu bringen. Forschung und Entwicklung ist nie ein Zwei-Tage-Projekt. Während eine Innovation eingeführt wird, arbeiten wir bereits an der nächsten Generation von Lösungen.

Brandschutz und Dauerhaftigkeit gewinnen an Bedeutung, besonders im Bauwesen. Welche Rolle spielt Forschung hier?

Ewelina Depczyńska: Eine entscheidende. Wir führen umfangreiche mechanische Prüfungen, Dauerhaftigkeitsuntersuchungen und Simulationen beschleunigter Alterung durch. Mit Klimakammern und Bewitterungstests können wir bewerten, wie sich Werkstoffe in Zukunft verhalten. In vielen Fällen können wir vorhersagen, wie sich ein Produkt nach fünf, zehn oder sogar fünfzehn Jahren Nutzung verhält.

Bei schwer entflammbarem Sperrholz ist das besonders wichtig. Ein Produkt muss die geforderte Klassifizierung des Brandverhaltens nicht nur beim Verlassen des Werks erreichen. Es muss dieses Sicherheitsniveau über die gesamte Nutzungsdauer halten. Von Gebäuden wird erwartet, dass sie Menschen über Jahrzehnte schützen – und unsere Prüfphilosophie spiegelt diese Verantwortung wider.

Welche Probleme entdecken Hersteller am häufigsten durch Laborprüfungen?

Ewelina Depczyńska: Dauerhaftigkeit ist häufig die zentrale Herausforderung. Wir untersuchen regelmäßig Beschichtungseigenschaften, Bewitterungsbeständigkeit, mechanische Beschädigung und langfristige strukturelle Stabilität. Gartenmöbel etwa müssen Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit und UV-Belastung über viele Jahre standhalten.

Ein weiteres Feld sind Emissionen und Materialsicherheit. Kunden verlangen zunehmend die Bestätigung, dass Produkte höhere Umwelt- und Gesundheitsstandards erfüllen. Dieser Trend wird sich mit der weiteren Entwicklung von Vorschriften und Verbrauchererwartungen nur beschleunigen.

Mit Blick nach vorn: Was ist Ihre Vision für Paged LabTech?

Ewelina Depczyńska: Wir haben kürzlich eine Langfriststrategie abgeschlossen, die festlegt, wo wir 2029 stehen wollen. Die Richtung ist klar: engere Zusammenarbeit mit Kunden, breitere Innovationsfähigkeiten und stärkere Unterstützung über den gesamten Produktentwicklungsprozess.

Das Labor der Zukunft ist nicht einfach ein Ort, an dem Produkte geprüft werden. Es ist ein Ort, an dem Ideen verfeinert, Risiken reduziert und Innovationen wirtschaftlich tragfähig werden. Unser Anspruch ist, Kunden nicht nur bei den heutigen Anforderungen zu helfen, sondern auch die Chancen von morgen vorwegzunehmen.

Ein Schlussgedanke?

Ewelina Depczyńska: Holz und Sperrholz haben noch enormes, unausgeschöpftes Potenzial. Wir vergessen oft, wie viel Innovation sich um Werkstoffe herum aufbauen lässt, die uns seit Generationen begleiten. Die Herausforderung für unsere Branche ist nicht nur, neue Produkte zu schaffen, sondern Wissenschaft und Wissen zu nutzen, um noch unerforschte Möglichkeiten zu erschließen.

Das vollständige Interview auf Polnisch: youtube.com/watch?v=dWQwvuMW-d8